Corona war der gesellschaftliche Stresstest, der aus abstrakten Grundrechten praktische Zutrittsregeln machte: Wer darf arbeiten, reisen, einkaufen, am öffentlichen Leben teilnehmen – und wer muss dafür Nachweise liefern? Genau an dieser Nahtstelle setzt diese zweiteilige Serie an: Sie betrachtet Corona nicht als reines Gesundheitsthema, sondern als politischen Mechanismus, der Rechte konditioniert, Sprache umdeutet und eine faktische Zwei-Klassen-Logik im Alltag erzeugt.
Teil 1 rekonstruiert den Weg in diese Schieflage: Politiker sprechen 2021 davon, „Grundrechte zurückzugeben“, während gleichzeitig über Impfpflicht, Erzwingungshaft und den Entzug gesellschaftlicher Teilhabe diskutiert wird.
Daraus entsteht die Kernfrage der Serie: Handelt es sich bei dem, was im öffentlichen Diskurs als „Grundrechte“ verhandelt wird, um unveräußerliche Rechte – oder um verwaltete Privilegien innerhalb eines rechtlichen Konstrukts?
Teil 2 verschärft den Blick auf den juristischen Hebel: Das Grundgesetz wird als veränderbares Regelwerk beschrieben, während die praktische Einschränkung über das Infektionsschutzgesetz, Verordnungen und die Feststellung einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ abgewickelt wird. Die 3G-Logik wird dabei als Symbol einer neuen Normalität gelesen: Zugang gegen Nachweis, Freiheit gegen Status.
Diese Serie ist damit weniger Rückschau als Diagnose: Sie fragt, welche staatlichen Routinen in der Krise entstanden sind – und welche davon nach der Krise als Blaupause für künftige Eingriffe taugen. Wer verstehen will, wie schnell aus „Schutz“ eine Sortierung wird, findet hier den argumentativen Faden – Schritt für Schritt, entlang von Sprache, Recht und Machtpraxis.