Journalismus ist die Schnittstelle zwischen Macht und Öffentlichkeit. Dort entscheidet sich, ob Bürger informiert werden – oder ob sie verwaltet, beruhigt und in die richtige Richtung gelenkt werden. In der Theorie ist der Journalismus die „vierte Gewalt“. In der Praxis ist er oft das, was jede Macht am meisten braucht: Legitimation, Framing und Ablenkung. Genau dieser Spannungsraum ist das Thema dieser Seite.
Die Beiträge hier zeigen Journalismus nicht als romantischen Beruf, sondern als Systemrolle. Wer setzt Themen? Wer stellt die Fragen – und wer lässt entscheidende Fragen liegen, obwohl sie auf dem Tisch liegen? Am Beispiel der Nord-Stream-2-Pressekonferenz wird sichtbar, wie viel politische Realität in einer einzigen Szene steckt: Aussage, Nicht-Widerspruch, mediale Deutung – und am Ende ein Publikum, das ein Ereignis erlebt, aber nicht versteht, was es bedeutet.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Selbstverständnis des Berufs: Standards, Zugang, Presseausweis-Ökonomie, Volontariat, der Unterschied zwischen Recherche und Sendungsbewusstsein. Wenn Journalismus sich mit „der guten Sache“ gemein macht, verliert er Distanz – und mit der Distanz verliert er Vertrauen. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um ein klares Prinzip: Haltung ersetzt keine Faktenprüfung.
Und schließlich geht es um den größeren Kontext: Die alte Ordnung bröckelt, neue Narrative werden gebaut, und Medien werden zum Beschleuniger politischer Projekte – bis hinein in Fragen der Meinungsfreiheit und der demokratischen Kultur. Diese Themenseite bündelt genau diese Analysen: Macht und Medien, Propaganda und Publikum, Berufsethos und Wirklichkeit – ohne Beschönigung, mit Blick auf das, was ist.